Adalbert Stifter

Schriftsteller, Lyriker, Maler und Pädagoge.

* 1805    † 1868

 

Stiftsgymnasium Kremsmünster und Jus-Studium in Wien

Adalbert Stifter trug anfänglich den Vornamen Albert und wurde als ältester Sohn des zunächst als Leinweber und später als Garnhändler tätigen Johann Stifter und dessen Frau Magdalena in Oberplan an der Moldau (heute Horní Planá/Tschechien) geboren. Der Vater starb früh. Bis der Großvater mütterlicherseits, Franz Friepes, Adalbert 1818 gegen einigen Widerstand auf die Lateinschule schickte, lebte er in kargen Verhältnissen mit seiner Mutter.

Von 1818 bis 1826 besuchte Stifter das Stiftsgymnasium der Benediktiner in Kremsmünster. Die traditionsreiche Bildungswelt des Stifts vermittelte den Schülern die christlichen Glaubenswahrheiten, orientiert an den Ideen der Aufklärungsphilosophie von Gottfried Wilhelm Leibniz, Christian Wolff und Immanuel Kant.

1826 nahm Stifter ein Studium der Rechte in Wien auf. Sein Studium finanzierte er durch Privatunterricht als Hauslehrer, nachdem er bereits während seiner Schulzeit in Kremsmünster Nachhilfestunden gegeben hatte. In die Zeit seines Studiums fallen auch erste dichterische Versuche (1827), die von Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried von Herder und Jean Paul beeinflusst sind. 1830 brach er sein Studium ohne Abschluss ab.

Oberösterreichischer Landeskonservator

1840 gelang ihm der Durchbruch als Dichter mit ersten Erzählungen. Bis 1848 war er Hauslehrer in Wien, dann übersiedelte er nach Linz. 1849 erhielt er den Auftrag zu Maßnahmen der Schulreform durch Statthalter des Landes Ob der Enns, 1850 wurde er Inspektor der oberösterreichischen Volksschulen, 1843 zum Landeskonservator der Kunstdenkmäler Oberösterreichs ernannt, 1867 ging er als Hofrat in Pension.

Jugendliebe Fanny Greipel, Ehefrau Amalia Mohaupt

1827 lernte er seine Jugendliebe Fanny Greipel kennen. Sie begleitete ihn emotional sein ganzes Leben lang. Im Sommer 1829 traf er Fanny in Bad Hall. Die dort im Park und in Bad Hall gemeinsam verbrachte Zeit bezeichnete Stifter später als "zu den ungetrübtesten Stunden" seines Lebens zählend.

1833 begegnete ihm in Wien die damals 22-jährige Amalia Mohaupt, eine Offizierstochter und Modistin, welche er am 15. November 1837 ehelichte. Sie führten eine glückliche Ehe, die allerdings kinderlos blieb.

Meister der biedermeierlicher Naturdarstellungen

Stifter ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des Biedermeier. Die für seine Zeit neuartigen Landschaftsbeschreibungen haben dem naturverbundenen Schriftsteller den zweifelhaften Ruf eines Heimatschriftstellers eingebracht. Bis heute wird ihm nachgesagt, er habe die ländliche Lebenswelt als Idylle idealisiert.

Viele seiner Erzählungen spielen im Mühlviertel, einer Gegend, die bis heute von Dörfern und großen Waldgebieten geprägt ist und zwischen den Flüssen Donau und Moldau im Grenzgebiet von Oberösterreich, Südböhmen und Bayern liegt.

Stifter pflegte als Erzähler einen klaren und scharf beobachtenden Stil. Die genaue und bedachte Sprache und episch breite Naturdarstellungen bewirken eine Entschleunigung der Handlung seiner Erzählungen.

Bekannte Werke sind "Bunte Steine", "Bergkristall" und "Witiko". Er verfasste Gedichte und Essays, aber war auch als Maler tätig.

Szenische Lesung "Brigitta"

Radio-Mitschnitt ORF Oberösterreich vom 14.05.2011
Live-Lesung aus dem Stift Kremsmünster. Regie: Chris Pichler.

Letzte Ruhestätte am St. Barbara Friedhof

Stifters Gesundheitszustand verschlechterte sich Ende der 1850er Jahre zunehmend - sicherlich auch weil er ein übermäßiger Esser und Trinker war.

Von den zunehmenden Beschwerden einer Leberzirrhose geplagt, öffnete sich Stifter am 26. Jänner 1868 auf dem Krankenbett mit einem Rasiermesser die Halsschlagader. Er starb zwei Tage darauf. Sein Suizid blieb in der Todesurkunde unerwähnt, da Selbstmörder zur damaligen Zeit nicht in „geweihter Erde“ bestattet wurden. Josef Rint nahm ihm die Totenmaske ab.

Auf dem St. Barbara-Friedhof in Linz fand Adalbert Stifter seine letzte Ruhestätte. Drei Jahre später wurde seine Frau Amalia im selben Grab beigesetzt.

Würdigung

Adalbert Stifter ist Referenz für vieles, was im deutschsprachigen Raum mit Literatur zu tun hat.

Das 1950 gegründete Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich ist seit 1956 im ehemaligen Wohnhaus des Dichters in Linz untergebracht, das im Jahr 1993 als Stifterhaus neu eröffnet wurde. Es beherbergt das Oberösterreichische Literaturmuseum und ist Veranstaltungsort für diverse Literaturausstellungen. Im Jahr 2003 hat Stifters Heimatort Oberplan ein Adalbert-Stifter-Zentrum eröffnet. In diesem Begegnungs- und Studienzentrum soll die kulturelle Bindung zwischen Österreich, Tschechien und Deutschland vertieft werden. Die Adalbert-Stifter-Medaille ist ein Literatur-Förderungspreis im Rahmen des Österreichischen Staatspreises für Literatur. Der Adalbert-Stifter-Preis ist ein Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur.

Auch wurden mehrere Schulen und viele Strassen nach dem Dichter benannt, zahlreiche Denkmäler erinnern an seine Aufenthaltsorte. Im Stift Schlägl gibt es einen Stiftergarten und dort wird auch Stifter-Bier gebraut.

Filme über Stifter

Portrait von 3sat

Dokumentation von Kurt Palm

Links und Quellen


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Verbunden mit der Familie

Amalia Stifter

Amalia Stifter

Ehepartner
*1811 †1883